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	<title>JTKitzel.de &#187; Jonas´ Reise</title>
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	<description>Blog und Homepage des Autors und Redakteurs Jan-Tobias Kitzel</description>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 9</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Mar 2008 16:38:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie in der &#220;bersicht.
"Erhebe dich, Versunkener, du hast dich als w&#252;rdig erwiesen!"
Jonas tat wie gehei&#223;en und kam von den Knien hoch. Er senkte in gespielter Demut den Kopf und der vor ihm stehende Priester der "Hellen See" h&#228;ngte ihm ein Amulett an einer kleinen Kette um. Die Phiole [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p>"Erhebe dich, Versunkener, du hast dich als w&#252;rdig erwiesen!"<br />
Jonas tat wie gehei&#223;en und kam von den Knien hoch. Er senkte in gespielter Demut den Kopf und der vor ihm stehende Priester der "Hellen See" h&#228;ngte ihm ein Amulett an einer kleinen Kette um. Die Phiole mit Meerwasser und dunkler Erde lag k&#252;hl auf Jonas Haut.<br />
"Wir haben einen Neuen in unserer Runde, der durch seine Taten bewiesen hat, dass er sich aus der M&#252;hsal der ersten Stufe herausgesch&#228;lt hat wie unser Volk, das sich bald aus der nassen Umklammerung dieser Welt befreien und zu den Au&#223;ermeerischen emporsteigen wird."<br />
Jonas lachte innerlich. Das Dickerchen vor ihm konnte ja nicht wissen, wie sehr er sich freuen w&#252;rde, alle hier gleich jetzt zu den Au&#223;ermeerischen zu bef&#246;rdern. Wenn nur die Suche nach Emilie nicht w&#228;re, f&#252;r die er den guten Schein wahren musste, h&#228;tte er gleich hier und jetzt reinen Tisch gemacht.<br />
Das gute Dutzend Gemeindemitglieder klatschte Beifall und Jonas ging nach einer Verbeugung vor dem Dicken zu ihnen her&#252;ber und sch&#252;ttelte jedem einzeln die Hand. Mit dieser Anzahl an Menschen war das Quartier der Sekte mehr als gut gef&#252;llt und in der Enge kam Jonas nur langsam voran. Anerkennde Klopfer auf die Schulter folgten ihm bei jedem Handsch&#252;ttler. Bis er vor Benedikt stand. Der junge Lodt schaute ihn zufrieden l&#228;chelnd an und in seinen hellen blauen Augen lag ein schelmisches Blitzen. Die Haare raspelkurz geschnitten wirkte der schm&#228;chtige Mann in der dunkelblauen Robe, der Gottesdiensttracht der "Hellen See", fast verloren. Auch sie sch&#252;ttelten sich die Hand und Jonas nickte Benedikt zu. Ohne dessen F&#252;rsprache w&#228;re er trotz der ordentlichen S&#228;uberungs- und Kampfleistung sicherlich nicht so schnell zur zweiten Stufe der Sekte aufgestiegen. Wer hatte aber auch ahnen k&#246;nnen, dass Benedikt der Sohn eines h&#246;heren Tieres war und mehr pro forma als wirklich ernsthaft die unteren Stufen eben durchjuckelte, um dann die rechte Hand seines Papis spielen zu d&#252;rfen. Gl&#252;cklicherweise hatte er den Bengel kennengelernt. Noch l&#228;ngere Zeit als die eh schon vergangenen zwei Wochen in S&#228;uberungs- und Bewachungsdiensten h&#228;tte er nicht &#252;ber sich ergehen lassen, Freundschaftsdienst hin oder her. Sein Bankkonto wollte ja schlie&#223;lich auch ab und an gef&#252;ttert werden.</p>
<p>Es wurde aufgetischt. Jonas setzte sich auf die lange Partybank, die zusammen mit den anderen flugs aufgebauten Partym&#246;beln die Sektenwohnung zu einem Bankettraum ummodelte. Das gute Dutzend Spinner wollte ja schlie&#223;lich auch bek&#246;stigt werden, von Realit&#228;tsverleugnung allein konnte man auch als Sektierer nicht leben. Das Plastholz bog sich, Sch&#252;ssel um Sch&#252;ssel mit dampfendem Algenmus, Fischfilets, Meeresfr&#252;chten und dem guten Cidration-Bier aus Arbitr&#228;a wurde aufgetischt. Warum auch zu den Au&#223;ermeerischen aufsteigen, wenn man bis dahin verhungert war? Bei der Armee schickten sie auch keine hungrigen Soldaten auf den Feind, leerer Magen k&#228;mpft schlecht.<br />
Jonas tischte sich auf und Benedikt neben ihm baute aus gr&#252;nlichem Algenmus und hellen Fischstreifen einen scientianischen Grinse-Smiley auf seinem Teller nach. Jonas musste unwillk&#252;rlich lachen und stupste Benedikt in die Seite, was ihnen einen tadelnden Blick des Dicken einbrachte. Der Priester hatte sich selbstverst&#228;ndlich an Kopf gesetzt und wollte wohl gerade mit dem Tischgebet beginnen.<br />
"Oh Au&#223;ermeerische, wir danken euch f&#252;r Speis und Trank. Segnet diese eure Gaben, auf dass wir uns euch bald anschlie&#223;en k&#246;nnen. Wir wollen zu euch emporsteigen und mit euch feiern Tag um Tag."<br />
Ohne ein weiteres Wort griff er zu seiner Gabel und die Gruppe tat es ihm gleich. Das Bankett war er&#246;ffnet.<br />
Eine halbe Stunde sp&#228;ter lehnte sich Jonas zufrieden zur&#252;ck. So satt war er lange schon nicht mehr gewesen. Er hob die Cidrationflasche und Kondenswasser tropfte von der Au&#223;enseite auf sein blaues Gewand. Benedikt prostete ihm zu und schaute ihn fragend an.<br />
"Was?"<br />
Der junge Lodt druckste etwas herum. Dann: "Mein Vater will mich auf eine Mission schicken, die, wie er sagte, heikel werden k&#246;nnte. H&#228;ttest du Lust mich zu begleiten?"<br />
"Wei&#223;t du denn, worum es geht?"<br />
"Nicht so genau. Aber es soll f&#252;r die ´Helle See´ ziemlich wichtig sein. Ziwochda und Glamiel aus dem f&#252;nften Kreis sollen ebenfalls mit an Bord sein. Wenn die da sind, wird das wohl stimmen."<br />
Der f&#252;nfte Kreis. Zweith&#246;chste F&#252;hrungsebene. Perfekt wenn er mehr &#252;ber die Struktur erfahren wollte, um Emilie zu finden.<br />
Jonas l&#228;chelte zu Benedikt her&#252;ber und nahm einen Schluck des s&#252;ffigen, leicht s&#252;&#223;lichen Algenbiers. Er zwinkerte dem Nachwuchsspinner zu.<br />
"Klar, bin dabei."<br />
Er erntete ein L&#228;cheln.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 8</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Feb 2008 18:43:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<category><![CDATA[LodlanD]]></category>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie in der &#220;bersicht.
Jonas seufzte, stellte den Mopp zur&#252;ck in den Putzeimer und drehte sich betont langsam um. Und erstarrte. Er hatte mit den &#252;blichen drei, vier Jugendlichen gerechnet, die sich einen Spa&#223; mit den Sektenspinnern machen wollten. Aber nicht mit sechs Gangern in harter Kluft, bewaffnet mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p>Jonas seufzte, stellte den Mopp zur&#252;ck in den Putzeimer und drehte sich betont langsam um. Und erstarrte. Er hatte mit den &#252;blichen drei, vier Jugendlichen gerechnet, die sich einen Spa&#223; mit den Sektenspinnern machen wollten. Aber nicht mit sechs Gangern in harter Kluft, bewaffnet mit Messern und irrem Flackern in den Augen. Ein gut 18 Jahre alter Lodt mit einem Sternent&#228;too auf der Glatze und schwarzen Kunstlederklamotten war offenbar der Anf&#252;hrer, jedenfalls stand er gut zwei Schritte vor dem Rest der Truppe. Messer blitzen im Licht der hellen Kunstlampen im Unten, der einfachsten Wohngegend von Lod - und je tiefer man kam, desto mehr wurde es zum Slum. Alles Kerle, alle in schwarzen Klamotten und mindestens einen Schlagstock, meist aber Messer in der Hand. Sechs gegen vier und das mit deutlichen Ausr&#252;stungsnachteilen. Konnte spa&#223;ig werden! Jonas drehte betont langsam die Handfl&#228;chen nach au&#223;en und ging einen - kleinen - Schritt auf den Trupp zu. Das Ger&#228;usch seiner Stiefel auf den Metallplatten des Ganges hallte laut nach. Kein anderer Laut war zu h&#246;ren, der eben noch halbwegs bev&#246;lkerte Gang lag wie ausgestorben da. Augen schielten aus T&#252;r&#246;ffnungen, Ohren waren an die fadenscheinigen Wohnungsw&#228;nde gepresst. Besser als TV! Aber helfen w&#252;rde keiner.<br />
"Was wollt ihr?", fragte Jonas hart und unnachgiebig. Keine Schw&#228;che zeigen!<br />
Sternie lachte bl&#246;kend auf und drehte sich zu seinen Kumpels um.<br />
"Was wir wollen, fragt die halbe Portion?! Ich schmei&#223; mich weg!" Mit einer flie&#223;enden Bewegung wandte er sich wieder zu Jonas um, lie&#223; das Messer von der einen in die andere Hand fliegen.<br />
"Du kannst dem Meer auf Knien danken, wenn wir euch nur ein bisschen vertrimmen wollen, Alterchen!"<br />
Wieder sprang das Messer zwischen den H&#228;nden hin und her.<br />
Jonas machte einen kleinen Schritt nach vorn, fixierte Sternies Blick, innerlich angespannt wie ein Bogen vor dem Abschuss.<br />
"Nimm deine Jungs und verzieh dich." Jonas hob die Stimme keinen Deut. "Letzte Warnung."<br />
Ein irres L&#228;cheln erschien auf Sternies Gesicht, Jonas sah das verr&#228;terische Flackern in den Augen seines Gegen&#252;bers. Meeresstaub, Torpedoblitz oder irgendeine andere Droge zirkulierte im Blut seines Gegen&#252;bers. Der w&#252;rde sich nicht einsch&#252;chtern lassen. Ohne zu Z&#246;gern sprang Jonas vor und hieb dem verdutzten Ganger die Kn&#246;chel seiner Rechten gegen den Hals, drehte sich ein, schlug ihm das Messer aus der Hand und warf ihn &#252;ber die Schulter. Mit einem harten Knall landete Sternie auf dem Boden, dann ging die Welt in Schmerzensschreien unter.</p>
<p>Ducken. Messer ausweichen. Benedikt an seiner Seite, der ihm den R&#252;cken freihielt und vergleichsweise geschickt mit einem im Vorbeilaufen abgebrochenem Mopp-Stock die Ganger auf Distanz hielt. Jonas war in seinem Element. Lie&#223; eine Metallkette &#252;ber seinen Kopf zischen, sprang vorw&#228;rts, riss einen Ganger um. Landete mit angewinkeltem Ellbogen mitten auf dessen Brust. Genoss das Krachen der Rippen. Und schnellte wieder hoch. Jonas blickte sich adrenalingetrieben um. Zwei auf dem Boden, einer lehnte an der Wand und hielt sich wimmernd seinen gebrochenen Arm. Zwei standen noch. Zwei Ganger, die wirre, drogeninduzierte Laute ausstie&#223;en und ihre Messer so fest umklammerten, dass die Kn&#246;chel wei&#223; hervortraten. Jonas t&#228;uschte einen Sprung nach rechts vor, einer der Ganger reagierte wie in Zeitlupe und wandte sich dorthin. Wie im Fluss ver&#228;nderte Jonas seine Bewegung, sprang nach links, riss einen Wischmopp mit und stie&#223; das Ende des Plastikstocks mit voller Wucht in den Bauch des anderen Gangers. &#196;chzen und der pl&#246;tzliche Geruch von Magens&#228;ure in der stickigen, schlecht umgew&#228;lzten Unten-Luft. Drehung, seitlicher Tritt gegen die Kniekehle, der zweite Ganger klappte zusammen. Benedikt sprang ohne einen Laut nach vorn, winkelte im Flug die Beine an und krachte mit den Knien voran mitten in das Gesicht seines Gegen&#252;bers. Knochen brachen, blutiges Gurgeln, nach einigen Sekunden h&#246;rte der M&#246;chtegern-Harte auf zu zucken. Jonas reichte Benedikt anerkennend die Hand und zog ihn hoch. Hatte er dem Kerlchen gar nicht zugetraut. Aber wenn man genauer hinsah, war es zu erkennen. Unter den blonden Locken lagen helle, wache Augen. Der K&#246;rper sah f&#252;r das ungeschulte Auge schm&#228;chtig und d&#252;rr aus. Wer wusste, worauf es achten galt, sah eine Feder, zum Sprung bereit, ein durchtrainierter Mann, kein Gramm Fett zuviel. Und die Bewegungen waren bei der Arbeit zwar sparsam gewesen und eben so selten sprach Benedikt. Aber dieses Verhalten war nicht selten f&#252;r K&#228;mpfer. F&#252;r gute K&#228;mpfer. Jonas nickte Benedikt zu und der legte den Kopf best&#228;tigend zur Seite. Keiner sprach ein Wort. Warum auch? Die Situation war bereinigt. Jetzt hatten sie zwar aufgrund des zweckentfremdeten Mopps noch weniger Putzger&#228;t als vorher, aber die langsam und st&#246;hnend wegkriechenden Ganger w&#252;rden daf&#252;r sorgen, dass sie nun wenigstens ungest&#246;rt arbeiten konnten. Es hatte aber auch an der Leiche des letzten Gangers liegen k&#246;nnen, um die sie in den kommenden Stunden sorgsam drumherum putzten.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 7</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jan 2008 22:31:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie in der &#220;bersicht.
Eine Tr&#228;ne kullerte seine Wange herunter und besch&#228;mt wischte er mit seinem &#196;rmel die Feuchtigkeit davon. Er steckte voll und ganz in seiner Rolle.
"So ist es gut, lass alles heraus!". Blondie zeigte volles Verst&#228;ndnis f&#252;r seine Lage. Er, ein armer Lagerarbeiter mit wenig Hirn und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p>Eine Tr&#228;ne kullerte seine Wange herunter und besch&#228;mt wischte er mit seinem &#196;rmel die Feuchtigkeit davon. Er steckte voll und ganz in seiner Rolle.<br />
"So ist es gut, lass alles heraus!". Blondie zeigte volles Verst&#228;ndnis f&#252;r seine Lage. Er, ein armer Lagerarbeiter mit wenig Hirn und noch weniger im Magen hatte endlich erkannt, dass es mehr gab als Plackerei und den t&#228;glichen Kampf ums Algenbrot. Sie waren nicht allein!<br />
"Die Au&#223;ermeerischen wollen, dass du dich innerlich reinigst. Weine, Versunkener, weine. Um deine vergeudete Vergangenheit. Und vergie&#223; Freudentr&#228;nen, denn wir werden dich erretten!"<br />
Bei diesen Worten von Blondie trat ein Mann in hellblauer Kutte durch den Perlenvorhang. Anstatt verwundert zu sein, dass sich hier gerade ein Mann schluchzend an die Empfangsdame dr&#252;ckte, nickte er nur verst&#228;ndnisvoll, ging zum K&#252;hlschrank und nahm sich ein Cidration.<br />
"Auch eins?", fragte er, ging zu einem der Sitzs&#228;cke und lie&#223; sich mit einem wohligen Seufzer rein fallen.<br />
"Ist schwierig am Anfang, Alter. Mach dir keinen Kopp, bald wirst du alles viel klarer sehen." Der Mann prostete Jonas aufmunternd zu, der &#228;u&#223;erlich z&#246;gerlich, innerlich grinsend, zu seinem Bier griff und mit dem Neuling anstie&#223;.<br />
Offensichtlich waren sich selbst Sektierer nicht zu schade f&#252;r die "ein Freund, ein guter Freund"-Nummer. Die konnten sie haben!<br />
Jonas nahm einen tiefen Schluck, wischte sich verstohlen die Reste seiner Tr&#228;nen weg und fragte mit unsicherer Stimme: "Wie geht es denn jetzt weiter?"<br />
Fast unmerklich nickte Blondie zum besten Freund der Menschheit im Allgemeinen und von jedem Neuank&#246;mmling im Speziellen zu.<br />
"Ganz einfach: Wir erz&#228;hlen dir die Wahrheit, &#246;ffnen dir die Augen f&#252;r die Welt um dich herum. Und wenn du genug gelernt hast, nehmen wir dich bei unserem n&#228;chsten Auftrag f&#252;r die Au&#223;ermeerischen mit, damit auch du gerettet wirst."<br />
Na dann war ja alles klar.</p>
<p>M&#252;de wischte sich Jonas mit seinem &#196;rmel &#252;ber den Nacken, um den Schwei&#223; wenigstens kurzzeitig zu vertreiben. Der n&#228;chste Au&#223;ermeerische, der seinen Arsch in diesen verfallenen Gang in Lod5 schob, konnte was erleben! Drei Tage lang hatten sich abwechselnde Sektierer ihn zugelabert, mit Psychotricks bombardiert und in seinem Hirn herumgepfuscht. Sie hatten es jedenfalls probiert. Jeder, der nicht wie er mit der Erfahrung diverser Kriege und einer Frontausbildung gesegnet war, h&#228;tte schon lange geistig kapituliert und sich sabbernd und jauchzend in die offenen Arme der "Hellen See" geworfen. Aber da mussten sie schon andere Kaliber auffahren! Es war ihm nicht schwer gefallen, Blondie und Co. davon zu &#252;berzeugen, dass ihre Scharade gewirkt und er nun ein &#252;berzeugter "Aufstrebender der ersten Stufe" war. Die "Helle See" war in mehreren Schichten organisiert, aber als Stufe-1ser lie&#223;en sie ihn gerade mal soviel wissen, wie n&#246;tig war. Es gab Au&#223;ermeerische, der Gang unterwasser war eine Farce um die Harten von den Weichfischen zu trennen und &#252;ber dem Meer tobten keine Eisst&#252;rme wie alle vern&#252;nftigen Wissenschaftler behaupteten, sondern ein bl&#252;hendes Paradies. Aber nur wer Pr&#252;fung um Pr&#252;fung erfolgreich meisterte, durfte irgendwann das gr&#252;ne Paradies betreten. Alle paar Tage bekam die Gruppe neue Anweisungen von der jeweiligen Stufe &#252;ber ihnen.<br />
Jonas tunkte den Schrubber wieder in den Metalleimer und wischte weiter. So, wie die letzten drei Stunden. Die aktuelle Pr&#252;fung, gemeinsam mit anderen Stufe-1sern einen dreckigen Gang in einer Slumgegend zu s&#228;ubern, war besonders hirnrissig. Nicht nur, dass Jonas schon drei verschiedene Kiddie-Gangs auf Abstand hatte halten m&#252;ssen, nein auch die Putzwerkzeuge waren ein schlechter Witz. Wasser und Sp&#252;li gegen Jahre des Drecks! Super Aussichten, das Ganze in einer vern&#252;nftigen Zeit zu schaffen. Aber vielleicht stand ja heute die Lektion "Auch eine Niederlage kann ein Sieg sein" auf der Tagesordnung. Bekloppt genug war die Sekte auf jeden Fall daf&#252;r.<br />
Er musste auf jeden Fall noch mindestens eine Stufe aufsteigen, um zu erfahren, wie die &#252;ber Stufe-1 organisiert waren. Es gab auf jeden Fall ein Organisationssystem. Und wenn er Emilie wiederfinden wollte, musste er tiefer in die Struktur der Sekte eindringen. "Jede Organisation und sei sie noch zu komplex, l&#228;sst sich letztlich zu einer einzigen Person zur&#252;ckverfolgen, die alle F&#228;den in der Hand h&#228;lt." Sein Frontausbilder hatte gewusst, wovon er gesprochen hatte. F&#252;r ihn war er der Mann mit den F&#228;den gewesen.<br />
Bisher kannte er nur die weiteren Mitglieder seiner Stufe-1-Gruppe. Sebastien, ein Ex-Junkie mit Armbeugen wie eine Dartscheibe und grellgr&#252;nen Haaren, die wie nach einem Stromsto&#223; in alle Richtungen abstanden. Sandra, ihres Zeichens gefrustete und verlassene Frau in der Midlife-Crisis. Jonas konnte ihren Mann verstehen, allein schon der Anblick der um die Wette sich ausbreitenden Fettpolster h&#228;tte ihm gereicht, um zu fl&#252;chten, ganz zu schweigen vom st&#228;ndigen Gekeife aus dem potth&#228;sslichen Gesicht. Und zu guter Letzt war da noch Benedikt, der Stille. Sagte nichts, arbeitete hart und hatte immer ein L&#228;cheln auf dem Durchschnittsgesicht f&#252;r Gott - pardon "die Au&#223;ermeerischen" - und jeden anderen &#252;ber. Warum er hier war, war Jonas ein R&#228;tsel. Aber jeder trug seine Fracht allein.<br />
"Na, was ham we denn da? Einen mutigen Putztrupp, so allein hier, in unserem Unten!" kam es da pl&#246;tzlich von hinten.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 6</title>
		<link>http://www.jtkitzel.de/2007/12/19/jonas-reise-teil-6/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Dec 2007 19:17:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jonas´ Reise]]></category>
		<category><![CDATA[LodlanD]]></category>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie in der &#220;bersicht.
Das Wasser pl&#228;tscherte an ihm herunter, umsp&#252;lte die Muskeln, entfernte den Schwei&#223; und Geruch der in Lod allgegenw&#228;rtigen Enge. Und doch f&#252;hlte er sich dreckig. Sebastians Tod ging ihm immer noch nach. Jonas lehnte sich an die Wand der Duschkabine, stellte das Wasser eine Portion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p>Das Wasser pl&#228;tscherte an ihm herunter, umsp&#252;lte die Muskeln, entfernte den Schwei&#223; und Geruch der in Lod allgegenw&#228;rtigen Enge. Und doch f&#252;hlte er sich dreckig. Sebastians Tod ging ihm immer noch nach. Jonas lehnte sich an die Wand der Duschkabine, stellte das Wasser eine Portion hei&#223;er ein und schloss die Augen. Der kleine Raum f&#252;llte sich mit Dampf, die hei&#223;e Therapie sch&#228;lte ihm fast die Haut herunter. Jonas schaltete innerlich ab. Verpackte die Bilder von Sebs Tod in kleine P&#228;ckchen, schn&#252;rte sie gr&#252;ndlich zu und stie&#223; sie in eine gedankliche Kammer. Die P&#228;ckchen t&#252;rmten sich bereits bis zur Decke. Schnell schlug er die T&#252;r zu, vergewisserte sich, dass das Schloss hielt und tauchte langsam aus der kurzen Reise in sein inneres Ich wieder empor. Irgendwann w&#252;rde sein S&#252;ndenzimmer die Erinnerungen nicht mehr zur&#252;ckhalten k&#246;nnen, das Schloss bersten und ihn weinend und schreiend zusammenbrechen lassen. Aber bis dahin hielt ihn diese Art der Bew&#228;ltigung am Leben. Er konnte nicht in der Vergangenheit leben, musste weiter seinen Weg gehen, der oft aus Schmerz bestand. Seinem oder dem von anderen. Zu oft, um die Erinnerungen wie der Durchschnittslod mit ein paar Cidration und einer Prise Meeresstaub in der Nase wegzubeamen.</p>
<p>Jonas wischte mit dem &#196;rmel des wei&#223;en Shirts &#252;ber den vollends beschlagenen Spiegel des kleinen Badezimmers seiner Wohnung. Blonder Kurzhaarschnitt, eisblaue Augen, markig-kantiges Gesicht eines durchtrainierten Mannes. Eine feine Narbe, die sich quer &#252;ber die rechte Wange zog. Eine Erinnerung an eine Zeit, als er das S&#252;ndenzimmer noch nicht eingerichtet hatte und die Gedanken an das gestern ihn bei einer unsch&#246;nen Gelegenheit die Sekunde zu langsam hatten reagieren lassen. Als es drauf ankam. W&#252;rde ihm nicht wieder passieren. Oder er w&#252;rde wenigstens dabei draufgehen.<br />
Jonas schaute an sich herab, betrachtete die einfache Kleidung, die er sich auf dem Markt beim R&#252;ckweg eben schnell zusammengekauft hatte. Stabile Schuhe, grobe Latzhose, wei&#223;es Langarmshirt. Fehlte nur noch der Firmenaufdruck, dann w&#228;re er direkt als - etwas zu sauberer - Hafenarbeiter durchgegangen. Aber f&#252;r einen Packer sollte es reichen. Es war Zeit, Theater zu spielen!</p>
<p>"Sei gegr&#252;&#223;t, Versunkener, wie kann ich dir helfen?" Das blonde Dummchen mit dem grenzdebilen L&#228;cheln kam auf Jonas zu, wobei ihre dunkelblaue Robe hin- und her flatterte, nur gehalten von einem groben Strick um die H&#252;ften.<br />
Jonas setzte ein sch&#252;chternes L&#228;cheln auf, dass er gekonnt in einem nerv&#246;sen Augenflattern ersterben lie&#223;. Er zog das Flugblatt der "Hellen See" aus der Brusttasche der Latzhose und gab es der Frau.<br />
"Ihre Kumpels haben gesagt, ich soll mal hierher gehen, um mein Leben zu &#252;berdenken. Oder so. Jedenfalls haben sie gesagt, ich bek&#228;me was zu essen!" Der Typ hungriger Arbeiter ging immer.<br />
Das sah die Frau offensichtlich genauso, denn ihr L&#228;cheln verbreiterte sich noch. Sie schob den Perlenvorhang zur Seite, der den kleinen Vorraum der Wohnung in Lod2 vom Hauptraum trennte.<br />
"Klar, komm doch mit. M&#246;chtest du ein Cidration zum Essen?"<br />
Jonas nickte sch&#252;chtern, um schnell ein "Bitte eine gro&#223;e Portion" hinterherzuwerfen.<br />
Ein helles Lachen erklang, dann verschwand die Sektiererin hinter einem Raumteiler. Die Sekte "Helle See", zu der Jonas seine Suche nach dem Begriff "Au&#223;ermeerische" gef&#252;hrt hatte, hatte offensichtlich Geld. Die gro&#223;e Wohnung in Lod2, seinen Recherchen nach "Kirche" der Sekte, war erstaunlich gro&#223;, der Hauptraum musste gut neunzig Quadratmeter gro&#223; sein. Offensichtlich hatten sie drei Wohnungen nebeneinander gemietet und die Zwischenw&#228;nde entfernt. Die &#252;berall an den W&#228;nden aufgeh&#228;ngten Stoffbahnen in unterschiedlichen Abstufungen der Farbe blau verbargen Details wie weitere Eing&#228;nge oder gar Raumteilungen. Nur die Kochnische einer der Wohnungen war zu erahnen, denn dort war die Bekehrerin hinter einem Bambusraumteiler aus dem Uppland verschwunden und der Duft nach Algeneintopf kam nach einem leisen Pling her&#252;ber. Aufgew&#228;rmte Suppe. Naja, wenigstens gab es ein Algenbierchen nach arbitr&#228;ischer Brauart dazu. Gl&#252;cklicherweise war im Moment bis auf die "Empfangsdame" niemand hier, das machte ihm sein Spiel leichter. Der Rest der Bande war wohl ausgeschleust.</p>
<p>Jonas lie&#223; sich auf einen der sechs wei&#223;en Sitzs&#228;cke plumpsen, die im Rund um einen kleinen Tisch angeordnet waren und quittierte den ihm dann entgegengestreckten Teller mit einem gierigen Blick. Schnell griff er nach dem Essen und der Flasche Bier und fing laut schl&#252;rfend an, den gar nicht so schlechten Eintopf zu vertilgen. Blondie lie&#223; ihn gew&#228;hren, voller Magen h&#246;rte besser zu.<br />
Als Jonas den Teller geleert hatte und ein halbes Cidration intus hatte, holte sie gut h&#246;rbar Luft und fing mit dem Unvermeidbaren an.<br />
"Hast du schon einmal dar&#252;ber nachgedacht, dass du dein Leben bisher verschwendet hast, Versunkener?"</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 5</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Nov 2007 11:22:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie in der &#220;bersicht.
Der langsam laufende Fluss trug einen roten Faden aus Blut in seiner Mitte, bis er sich an der letzten Kachel vorm Duschablauf brach. Ex-Scholle hustete und spuckte Blut auf die Kacheln. Jonas f&#252;hlte sich leer. Wie immer, wenn er Informationen auf unfreiwillige Art herausholte. Es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p>Der langsam laufende Fluss trug einen roten Faden aus Blut in seiner Mitte, bis er sich an der letzten Kachel vorm Duschablauf brach. Ex-Scholle hustete und spuckte Blut auf die Kacheln. Jonas f&#252;hlte sich leer. Wie immer, wenn er Informationen auf unfreiwillige Art herausholte. Es geh&#246;rte zu seinem Beruf als "Probleml&#246;ser", dass er derartiges machen musste. Aber gefallen musste es ihm nicht. Jonas seufzte.<br />
Er dr&#252;ckte den Kopf seines Opfers gegen die nasse Kachelwand und schaute ihm eindringlich in das Gesicht. Der Sandhandschuh hatte seine Spuren hinterlassen, aufgesprungene Lippe, l&#228;diertes Auge, das volle Programm.<br />
"Du musst mir nur sagen, wo Emilie ist, dann lass ich dich sofort in Ruhe. Bin weg und eine gute Stunde sp&#228;ter sag ich jemandem Bescheid, der dich befreit. Alles shiny, mein Bester. Also rede!"<br />
Sein Gegen&#252;ber lachte h&#246;hnisch, wobei die gesprungene Lippe das Ger&#228;usch unsch&#246;n verzerrte. Dann spuckte er ihm schlagartig Blut entgegen, was auf Jonas´ Hose landete. "Klar, Mann. Klar."<br />
Es sah nicht so aus, als ob er reden wollte.<br />
Jonas strich sich mit dem nassen Handschuh &#252;ber den Kopf, um seine Faust dann unvermittelt vorw&#228;rts schie&#223;en zu lassen. Ein harter Schlag gegen Sebastians Brustkorb und das Opfer lag w&#252;rgend und r&#246;chelnd auf der Seite, stetig durchn&#228;sst von der langsam laufenden Dusche. Auf kalt gestellt nat&#252;rlich.<br />
Das konnte dauern.</p>
<p>Beil&#228;ufig schaute Jonas auf die Uhr. Er bearbeitete Sebastian jetzt schon zwanzig Minuten. So langsam ging ihm die Geduld aus. Er lie&#223; den Nacken krachend kreisen und blickte auf das H&#228;ufchen Elend hinunter, das an der Kachelwand lehnte. Viele h&#228;tten schon geredet. Entweder hatte Seb die Wahrheit gesagt und er wusste wirklich nichts oder das hier war ein harter Fall. F&#252;r jemanden, den Jonas auf 17 sch&#228;tzte, war er auf jeden Fall ein echter Hammerhai.<br />
Jonas zog sein Opfer hart hoch und zwang ihn in einen geraden Sitz an der Wand. Dann zog er betont langsam eine Druckspritze aus dem Mantel und hielt sie ihm unter die Augen.<br />
"Wei&#223;t du, was das ist?"<br />
Panik in den Augen seines Gegen&#252;bers. Aber kein Wort kam &#252;ber die Lippen.<br />
"Es wird dich schreien lassen, wie du noch nie in deinem j&#228;mmerlichen, non-shiny Leben geschrien hast. Und dann wirst du reden. Mir alles erz&#228;hlen."<br />
Kunstpause.<br />
"Aber ich will das nicht. Viel zu teuer, so eine Dosis, f&#252;r einen solchen Walschiss wie dich. Also, rede, oder ich spritz dich bekloppt."<br />
Er hatte alles erwartet, aber kein Lachen. Sebastian schaute ihn an, das Zittern war aus dem Gesicht verschwunden. Beherrscht sah er Jonas an, noch nicht einmal die allgegenw&#228;rtige Angst lag mehr in seinem Blick.<br />
Leise, fast verz&#252;ckt, fl&#252;sterte Sebastian: "Ich komme, Au&#223;ermeerische." Dann biss er hart zu, l&#228;chelte. Pl&#246;tzlich verkrampfte sich sein ganzer K&#246;rper, Schaum vor dem Mund. Jonas sprang zur&#252;ck, als h&#228;tte er die Barbara gesehen. Verdammter Mist! Sebastian wand sich noch ein paar Sekunden in knochenbrechenden Kr&#228;mpfen, dann war es vorbei. Kein Laut kam mehr von dem Fast-Erwachsenen, das leise Pl&#228;tschern der Dusche war der einzige Laut im Waschraum.</p>
<p>Jonas ging z&#252;gig durch die G&#228;nge von Unten. Er konnte seinem Bauchgef&#252;hl also immer noch vertrauen. Als Probleml&#246;ser war es oft das einzige, worauf man sich verlassen konnte. Man machte die merkw&#252;rdigsten Auftr&#228;ge f&#252;r die seltsamsten Leute. Aber wer in diesem kleinen Kreis von Menschen seinem innerem Sonar nicht mehr zuh&#246;rte, konnte sich genauso gut ausschleusen lassen. Und sein Bauch hatte ihm schon beim Gespr&#228;ch mit Emilies Vater mitgeteilt, dass das kein allt&#228;glicher Auftrag werden w&#252;rde. Bei einem Freundschaftsdienst war es das fast nie, aber dass er nun einen Toten auf dem S&#252;ndenkonto hatte, w&#252;rde ihm noch zu schaffen machen. Sobald der Job gelaufen war, denn w&#228;hrenddessen schaltete man als Probleml&#246;ser sein Gewissen besser ab. Sonst verhungerte man in dieser Welt. Oder z&#246;gerte die eine Sekunde zu lang, um dann mit gebrochenem Genick im M&#252;ll zu verschwinden. Dass Seb sich umgebracht hatte, h&#228;tte er nicht verhindern k&#246;nnen. Wer suchte bei einem so kleinen Fisch schon nach einem mit Gift gef&#252;llten Hohlzahn? Zeug f&#252;r die Agentenfilme, aber nicht f&#252;r einen derart kleinen Fall. Aber sp&#228;testens jetzt war es eh keiner mehr.</p>
<p>Jonas lie&#223; den Kaffee langsam die Kehle hinunter rinnen und genoss das Gef&#252;hl. Ein verdammt teures bei echtem Kaffee, aber das war es ihm wert. Hart arbeiten, hart feiern. Und wenn es nur eine Party der Geschmacksknospen war. Die Menschen str&#246;mten um das Café Paix herum, einem edlen Café auf der Lod3-Promenade, ihrem eigenen Rhytmus folgend. 16 Uhr. Ende der zweiten Schicht. Oder Anfang der dritten, je nachdem. Jonas hatte kein Schichtsystem, er war sein eigener Chef. Wenn der blo&#223; nicht so knausrig mit dem Urlaub w&#228;re. Er grinste und nahm einen weiteren Schluck des exzellenten Kaffes. So, zur&#252;ck an die Arbeit. Er clippte seinen PDA vom G&#252;rtel und loggte sich ins Lod-Citynet ein. Mal sehen, was das in Lod allgegenw&#228;rtige Datennetz so &#252;ber "Au&#223;ermeerische" zu berichten wusste.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 4</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Oct 2007 11:27:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie in der &#220;bersicht.
Er h&#246;rte ein Schlurfen und mehrere Stimmen hinter der fadenscheinigen T&#252;r, dann wurde sie zaghaft einen Spalt weit ge&#246;ffnet. Die Rollen quietschten, als die T&#252;r ein St&#252;ck in die Wand hinein geschoben wurde. Der Hausmeisterservice hier unten war sicherlich exquisit. Ein Schwall verbrauchter Luft schlug [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von “Jonas´ Reise” finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p>Er h&#246;rte ein Schlurfen und mehrere Stimmen hinter der fadenscheinigen T&#252;r, dann wurde sie zaghaft einen Spalt weit ge&#246;ffnet. Die Rollen quietschten, als die T&#252;r ein St&#252;ck in die Wand hinein geschoben wurde. Der Hausmeisterservice hier unten war sicherlich exquisit. Ein Schwall verbrauchter Luft schlug Jonas entgegen, dann kam ein "Wer´n da?" grummelnd aus dem Dunkel.<br />
"Gutwach", gab er mit fr&#246;hlichster Stimme zur&#252;ck. "Philipp Heimeblau mein Name, Tagel&#246;hner-Anwerber. Ist Sebastian da? Ich h&#228;tte einen Job f&#252;r ihn..."<br />
Hektische Ger&#228;usche aus dem Dunkel, ein gehetztes "Komme gleich", dann wurde die T&#252;r abrupt zugezogen. Einen Anwerber wollte man doch nicht warten lassen. Keine drei&#223;ig Sekunden sp&#228;ter kam ein junger Mann aus der gut f&#252;nfzehn Quadratmeter gro&#223;en Wohnung, die spartanisch mit drei Doppelbetten, einem Schrank und einem Mini-Klo ausgestattet war. &#220;bliche Heimstatt f&#252;r die billigen Arbeitskr&#228;fte hier unten. Waren sie hier sogar schon auf Schichtschl&#228;fer-Niveau herabgesunken oder hatte wenigstens jeder "sein" Bett? M&#252;&#223;ig.<br />
"Was f&#252;r Arbeit hamm se denn?"<br />
Jonas richtete seine Aufmerksamkeit auf den Mann, der wie eine halb ausgewachsener Fisch zwischen Jugendlichem und Erwachsensein steckte. Da seine Haare mit Tonnen von Gel als Platte gestylt waren, beschloss Jonas, ihn Scholle zu nennen.<br />
Jonas zauberte sein freundlichstes L&#228;cheln auf sein Gesicht und bem&#252;hte sich, in seinem weiten Mantel so gesch&#228;ftsm&#228;&#223;ig wie m&#246;glich zu wirken.<br />
"Umzugs- und Renoveriungshilfe. Schleppen, abbauen, aufbauen ... kannst du doch, oder?"<br />
Angst blitzte in Scholles Augen auf. Wer hier lebte, brauchte Geld. Immer. "Klar, klar, bin stark und gut". Und so eloquent, f&#252;gte Jonas im Geist hinzu. Scholles Stimme &#252;berschlug sich beim Reden. Wie alt war der Kerl im einfachen Blaumann mit dem Teller als Haare? Siebzehn? Und schon Unten? Oder immer noch?<br />
Jonas schlug ein und ging dann lachend den Flur hinunter, woraufhin sich die treue Scholle sofort an seine Fersen heftete. "Perfekt. Du bist perfekt f&#252;r den Job. Ich bring´ dich gleich hin."</p>
<p>Achttausend &#228;hnlich aussehende G&#228;nge mit verlumpten Bettlern, dem Geruch von Drogenk&#252;chen in der schlecht umgew&#228;lzten Luft und ganzen Rinnsalen an Kondenswasser an verschmierten Gangw&#228;nden sp&#228;ter, bogen Jonas und Scholle ein weiteres Mal ab. Und waren am Ziel. Jedenfalls an Jonas´. Er ging z&#252;gig zur verbeulten T&#252;r des &#246;ffentlichen Duschraums, auf der im Moment ein gro&#223;er "Geschlossen wegen Sanierung"-Zettel prangte. Eine f&#252;r gut 300 LEX erkaufte Zahlenkombination sp&#228;ter standen sie im gekachelten Umkleidebereich der &#246;ffentlichen Sanit&#228;ranlage. Zu Sto&#223;zeiten konnten hier gut zweihundert Menschen gleichzeitig duschen, sich rasieren oder was man sonst hier Unten noch unter Hyginie verstand tun. Es waren schlicht zu wenige der Mini-Wohnungen hier mit Duschen gesegnet, daher hatte die Stadt diese S&#228;&#228;le eingerichtet. Schon, um Seuchen vorzubeugen.<br />
Dutzende Plast-Kisten standen an den W&#228;nden gestapelt, die Arbeiten sollten &#252;bermorgen beginnen. Ein Blick auf die bisherigen Armaturen und Duscheinrichtungen best&#228;tigte das Bild, eine Sanierung war mehr als &#252;berf&#228;llig. Au&#223;erdem waren bald wieder Wahlen, da machte es sich sowas immer gut. Jonas sch&#252;ttelte den Kopf, schaltete das Licht ein und ging tiefer in den Raum hinein. Scholle folgte ihm.<br />
"Hier? Ich darf bei der Sanierung mithelfen?" Helle Freude in der Stimme. Machte sich bestimmt gut bei den Prahlereien mit den Kumpels, bei etwas mitzuarbeiten, was in aller Munde war.<br />
"Hab ich doch gesagt, dass es dir gefallen wird. Hab nur Gutes &#252;ber dich geh&#246;rt, Sebastian."<br />
Scholle machte einen Schritt zur&#252;ck und Mi&#223;trauen blitzte in seinem Gesicht auf. "Von wem?"<br />
Mist, etwas zu dick aufgetragen. Jonas´ Gedanken rasten.<br />
"Na, von deinem letzten Chef", sagte er aufs Geratewohl. Offensichtlich falsch, denn Scholle drehte sich um und wollte wegrennen. Jonas seufzte, zog den Taser aus der Jacke und schoss dem jungen Mann in den R&#252;cken. Scholle fiel vorn&#252;ber auf die dreckigen Kacheln und tanzte den Elektrotanz. Als die Tasernadeln ihre Ladung abgegeben hatten, blieb er r&#246;chelnd liegen.</p>
<p>Jonas stellte den Drehknopf auf eiskalt und das Wasser an. Ein Blubbern in den altersschwachen Leitungen, dann kam erst rostig braunes, dann halbwegs klares Wasser aus dem Duschkopf und durchn&#228;sste Scholle. Wobei das binnen Sekunden nicht mehr ganz passte, das billige Haargeld gab Fersengeld und aus Scholle wurde Platschkopf. Auf jeden Fall ein wacher. Der Mann prustete, sch&#252;ttelte sich und schrie. Jonas schlug ihm ins Gesicht, die Sandschicht im Handschuh d&#228;mpfte den Schlag. Jedenfalls f&#252;r ihn, f&#252;r Sebastian war er dadurch umso kraftvoller. Jonas stellte das Wasser ab und beugte sich zum Gefesselten herunter.<br />
"Schrei ruhig, hier kann dich keiner h&#246;ren."<br />
Der Angesprochene warf sich mit aller Gewalt in seine Fesseln, aber die Stahl-Handschellen gruben sich dadurch nur umso tiefer in Kn&#246;chel und Handgelenke. Das Spiel dauerte gut eine Minute, dann gab Sebastian auf und sah ihn mit zitternder Unterlippe an, schwankte zwischen Hass und Panik.<br />
Dann wollte er diese Energie mal in auskunftsgebende Bahnen lenken.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 3</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 15:14:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von "Jonas´ Reise" finden Sie in der &#220;bersicht.
Jonas´ Reise - Teil 3
Jonas nickte dem gelangweilten Kellner hinter der Theke zu, der mittlerweile ein Loch in die Bar poliert hatte. Ob ihm die Haare wegen der schrecklich h&#228;mmernden Musik in alle Richtungen abstanden? Nicht auszuschlie&#223;en. Er nahm den Mini-Faltbildschirm aus der Tasche, zog [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von "Jonas´ Reise" finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p><strong>Jonas´ Reise - Teil 3</strong></p>
<p>Jonas nickte dem gelangweilten Kellner hinter der Theke zu, der mittlerweile ein Loch in die Bar poliert hatte. Ob ihm die Haare wegen der schrecklich h&#228;mmernden Musik in alle Richtungen abstanden? Nicht auszuschlie&#223;en. Er nahm den Mini-Faltbildschirm aus der Tasche, zog ihn auseinander und lie&#223; Emilie ein paar Runden in ihrem neuen Kleid drehen, dass er ihr vor einem Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte. Als die Welt noch in Ordnung gewesen war. Der Barkeeper schaute auf das Video, zu Jonas und zur&#252;ck, dann zuckte er mit den Achseln.<br />
"Was ist mit der Kleinen?"<br />
"Sie soll h&#228;ufiger hier gewesen sein. Mit wem? Und wann das letzte Mal."<br />
Der Barkeeper scannte ihn regelrecht, hinter der Stirn arbeitete es offensichtlich.<br />
Jonas erleichterte die Gedankeng&#228;nge mit einem 200-LEX-Schein, den Zottel z&#252;gig in seiner Hose verschwinden lie&#223;.<br />
"Letzten Samstag mit ein paar anderen Typen in ihrem Alter. Haben ganz harmlos gefeiert, aber je sp&#228;ter der Abend, desto heftiger haben sie gesoffen."<br />
Jonas fixierte den Barkeeper. "Mann, lass dir nicht jedes Wort einzeln aus dem Schott ziehen!"<br />
Zottel hob abwehrend die H&#228;nde. "Mach hier nicht den Okto-Pete, Alter. Chilly!"<br />
Jonas w&#252;rde ihm gleich "Chilly" geben!<br />
"Haben sich so richtig zulaufen lassen und ein paar ihrer Freunde sind ziemlich abgetickt. Haben die dann um 02 Uhr vor die T&#252;r gesetzt. Wo die danach hin sind, wei&#223; ich nicht..."<br />
Das Wort "aber" lag regelrecht in der Luft.<br />
Jonas seufzte und legte einen weiteren Zweihunderter auf den Tisch. Gut vier Stundenl&#246;hne in f&#252;nf Minuten verdient, guter Deal f&#252;r Zottel.<br />
Der Schein wanderte schnell zu seinem Verwandten und der Barkeeper l&#228;chelte. "Aber ... ich kann dir die Adresse eines ihrer Freunde geben. Hatte hier eine Woche vorher einen Spiegel kaputt gemacht, daher haben wir die Personalien aufgenommen."</p>
<p>Jonas zog den Mantel enger und versicherte sich zum dritten Mal in f&#252;nf Minuten, dass sein Taser, eine Pistole mit Strom-Bet&#228;ubungspfeilen, geladen war. Lod5, das "Unten". Lod war mit der Zeit in die Tiefe gewuchsen, in den Fels hinein. Und die Grundregel f&#252;r Besucher war einfach: Je tiefer, desto sch&#228;biger. Und er war verdammt tief. In den Ebenen der Kleinkriminellen, Tagel&#246;hner und Drogenk&#252;chen. Da hatte sich Emilie ja wahrlich nette Freunde ausgesucht. Jonas´ Schritte hallten dumpf auf dem Stahlgitter des Gangs, ein fauliger Geruch stieg von der Br&#252;he hoch, die darunter umher schwappte. Eine Schlange hatte sich vor einer Ausgabestation der Gr&#252;nen Alge gebildet. Speisung f&#252;r die Armen. Mutig von den Gr&#252;nalgen, hier unten freiwillig zu arbeiten. Mutig und dumm. W&#228;re nicht das erste Mal, dass eine Armenstation wegen der Vorr&#228;te und Medikamentenschr&#228;nke &#252;berfallen wurde. Hier unten lie&#223; sich das Departement fast nie blicken und wenn, dann nur in Garnisonsst&#228;rke.<br />
Jonas beschleunigte seine Schritte, bog in eine Seitengasse des unterirdischen Labyrinths ein und sah sich pl&#246;tzlich einer Gruppe von jugendlichen Schl&#228;gern gegen&#252;ber, die einen Bettler zu Boden traten. Ein schwerer Stiefel krachte gegen das verdreckte Gesicht des Alten, die zerrissenen Lumpen sogen sich augenblicklich mit dem Blut der dicken Platzwunde voll. Zwei der Jungs schnellten zu ihm herum und taxierten ihn. Jonas ging z&#252;gig weiter, h&#246;rte hinter sich das Ger&#228;usch dumpfer Schl&#228;ge und das Knacken von Knochen. Traurig, aber Alltag hier unten. Wenn er geholfen h&#228;tte, w&#228;re er es, dem jetzt die Knochen gerichtet w&#252;rden. Hier Unten kam man ohne Unterst&#252;tzung einer Gang nicht weit, Taser hin oder her.<br />
Zwei Abbiegungen sp&#228;ter stand er vor Wohnungst&#252;r Nummer 124 und trat dezent gegen das verbeulte Fu&#223;blech der T&#252;r. Wer hier auf das Funktionieren von Klingeln vertraute, dem war nicht mehr zu helfen.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Teil 2</title>
		<link>http://www.jtkitzel.de/2007/09/30/jonas-reise-teil-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Sep 2007 17:33:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle bisherigen Teile von "Jonas´ Reise" finden Sie in der &#220;bersicht.
Jonas´ Reise - Teil 2
Jonas nahm einen tiefen Schluck Cidration, lie&#223; das Algenbier die Kehle hinunterrinnen und seufzte laut auf. Nicht, dass es im L&#228;rm der Kneipe jemand geh&#246;rt h&#228;tte. Fast alle G&#228;ste der gutbesuchten Sportbar schauten zur &#220;bertragung der heutigen SpoHa-Partie. Leviathans gegen Algerdykerren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle bisherigen Teile von "Jonas´ Reise" finden Sie <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">in der &#220;bersicht</a>.</p>
<p><strong>Jonas´ Reise - Teil 2</strong></p>
<p>Jonas nahm einen tiefen Schluck Cidration, lie&#223; das Algenbier die Kehle hinunterrinnen und seufzte laut auf. Nicht, dass es im L&#228;rm der Kneipe jemand geh&#246;rt h&#228;tte. Fast alle G&#228;ste der gutbesuchten Sportbar schauten zur &#220;bertragung der heutigen SpoHa-Partie. Leviathans gegen Algerdykerren, die Arbitr&#228;er w&#252;rden mit den Uppl&#228;ndern den Boden aufwischen, das war jedem Anwesenden klar. Aber es war ein guter Grund, bereits jetzt ein Algenbier zu trinken und F&#252;nfe gerade sein zu lassen. Jonas drehte den Kopf wieder zu Sebastien auf der anderen Seite des Tischs.</p>
<p>"Warum glaube ich blo&#223; nicht, dass das ein freundschaftliches Bes&#228;ufnis ist, zu dem du mich eingeladen hast?!"<br />
Sebastien zuckte kurz zusammen, seufzte und schaute Jonas aus tiefen, traurigen Augen an.<br />
"Erwischt." Er z&#246;gerte, dann: "Es geht um Emilie."<br />
Es musste Monate her sein, dass er die Tochter des Kneipenbesitzers das letzte Mal gesehen hatte. Ein lebenslustiges M&#228;del mit den wachen Augen ihrer Mutter gesegnet. Energieb&#252;ndel. Und f&#252;r ihre 18 Jahre nett anzusehen. Jonas lachte innerlich auf. Ein solcher Gedanke von jemandem, der die 40 bereits Jahre hinter sich gelassen hatte.<br />
Jonas nickte, bedeutete fortzufahren.<br />
"Sie ist verschwunden. Seit zwei Wochen. Keiner hat sie gesehen, ich habe &#252;berall herumgefragt." Tr&#228;nen schimmerten in den Augen des Mannes. Jonas nickte. Er hatte Sebastien noch nie so gesehen. Der Hai von einem Mann hatte kampflustige Stawaner mit blo&#223;en H&#228;nden aus seiner Bar geschmissen und mit gebrochenen Rippen noch zwei Arbitr&#228;er fertig gemacht. Aber Emilie bedeutete Sebastien alles, seitdem seine Frau bei einem Piraten&#252;berfall vor zwei Jahren get&#246;tet worden war. Harte Zeiten. Er nahm einen weiteren Schluck des gr&#252;nlichen Bieres.<br />
"Erz&#228;hl mir alles, was du wei&#223;t". Er w&#252;rde helfen. Ehrensache f&#252;r jemanden, der "Probleml&#246;ser" in seiner Visitendatei stehen hatte.</p>
<p>In Gedanken versunken bahnte sich Jonas seinen Weg durch den S&#252;ndenpfuhl - Lod3, die mittlere Kuppel der Hauptstadt. Nullebene, Hauptstra&#223;e, brechend voll, zu jeder Uhrzeit. Jonas lie&#223; sich mit dem Strom treiben, vorbei an aufmerksamkeitsheischenden Theatern, Strip-Bars und Dr&#246;mhusens. Ob wohl der neue Film von Funda Fiel dort schon lief? Er w&#252;rde nachsehen. Sp&#228;ter.<br />
Sebastien hatte ihm kaum etwas sagen k&#246;nnen. Seine Tochter hatte sich in den vergangenen Monaten regelrecht von ihm abgenabelt, lie&#223; ihn nicht mehr an ihrem Leben teilhaben. Kein allzu abnormaler Vorgang bei einer jungen Frau. Auch nicht, dass sie sich f&#252;r l&#228;ngere Zeit nicht mehr hatte blicken lassen. Aber dass sie ihr Konto bis zum letzten Lex gepl&#252;ndert hatte und die Abschiedsuhr der Marine ihres Vaters ebenfalls weg war, stimmte dann schon bedenklich. Es sah der ehrlichen, vielleicht etwas naiven Emilie nicht &#228;hnlich. Und er hatte dieses Kribbeln in der Nase. Es w&#252;rde schuppig werden.</p>
<p>Um 100 LEX &#228;rmer betrat Jonas Lod Brei. Die Disco hatte ihren l&#228;cherlichen Namen vormerklich der dauerlallenden G&#228;steschar zu verdanken, es war No-Brain-Unterhaltung, wie die Scientianer sagen w&#252;rden. Was wohl heute auf dem Programm stand? Die Wahl zur Miss Oberweite oder doch zum Mister Knackarsch? Die Massen waren berechenbar. Wer einfache Unterhaltung im von Beats untermalten Ambiente suchte, kam ins Lod Brei. Der Laden war schlecht besucht, kein Wunder, es war gerade erst Mitte der zweiten Schicht. Vor Schichtende war es in den Discotheken selten voll. Das Drei-Schicht-System, das den Tagesablauf in Lod bestimmte, sorgte daf&#252;r, dass stetig jemand ins Bett ging w&#228;hrend ein anderer sich auf den Weg zur Arbeit machte und ein Dritter seine Freizeit geno&#223;. Lod schlief nie.</p>
<p>Er hatte sich etwas umgeh&#246;rt. Emilie hatte wenige Freunde, war etwas eigenbr&#246;tlerisch, womit sie nach ihrem Vater kam. Aber in ihrer Berufsschulklasse erz&#228;hlte man sich, dass sie sich im Lod Brei ab und an etwas dazuverdiente. Nat&#252;rlich ohne dass es Daddy wusste. Nicht gerade die Arbeitsstelle, die man gerne herumerz&#228;hlte. Beim Servieren an den Arsch gepackt zu werden, war hier noch die harmloseste Anmache.</p>
<p>Jonas wich einem Besoffenen aus, der ihm im engen Eingangsbereich der Disco entgegentaumelte und stemmte sich gegen die akkustische Wand, die ihm entgegenh&#228;mmerte. Wummernde B&#228;sse lie&#223;en seine Z&#228;hne vibrieren, als er die letzte Zwischent&#252;r passierte und direkt in der Haupthalle der Disco herausgesp&#252;lt wurde. Eine gro&#223;e Tanzfl&#228;che in der Mitte, drumherum Sitzecken und eine Bar samt kleiner B&#252;hne. So weit, so einfallslos. Zu dieser Uhrzeit war auf der Tanzfl&#228;che kaum etwas los, was den DJ nicht st&#246;rte, er jagte die Lautst&#228;rke stetig auf neue H&#246;hen. Die meisten G&#228;ste l&#252;mmelten in den Sitzecken oder sa&#223;en an der Bar. Wenn sie nicht gerade davor lagen. Jonas atmete tief durch, was er sofort bereute. Die Luftumw&#228;lzer der Disco waren wohl im Urlaub, grauenhaft. Dabei waren sie gerade mal vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel, das bekamen sie ja sogar in Stawa besser hin. Er sch&#252;ttelte den Kopf und ging au&#223;en an der Tanzfl&#228;che umher zur Bar. Irgendwer w&#252;rde sich hier wohl an die h&#252;bsche Emilie erinnern. Daf&#252;r w&#252;rde er sorgen.</p>
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		<title>Jonas´ Reise &#8211; Start und Teil 1</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Sep 2007 23:17:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JTK</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Jonas´ Reise" ist eine in unregelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden fortgef&#252;hrte Geschichte in der Welt von LodlanD (siehe Ver&#246;ffentlichungen und LodlanD-Homepage). Ich m&#246;chte mit "Jonas´ Reise" etwas experimentieren: Die Geschichte entsteht "on the fly", also ohne vorheriges Durchplotten, ich m&#246;chte die Geschichte einfach sich selbst tragen und treiben lassen. Feste Ver&#246;ffentlichungstermine wird es nicht geben, Ziel ist einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>"Jonas´ Reise" ist eine in unregelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden fortgef&#252;hrte Geschichte in der Welt von LodlanD (siehe <a href="http://www.jtkitzel.de/werke/" target="_blank">Ver&#246;ffentlichungen</a> und <a href="http://www.lodland.de" target="_blank">LodlanD</a>-Homepage). Ich m&#246;chte mit "Jonas´ Reise" etwas experimentieren: Die Geschichte entsteht "on the fly", also ohne vorheriges Durchplotten, ich m&#246;chte die Geschichte einfach sich selbst tragen und treiben lassen. Feste Ver&#246;ffentlichungstermine wird es nicht geben, Ziel ist einmal die Woche, aber ich lege mich da auf nichts fest. Auch &#252;ber die L&#228;nge mache ich mir erstmal keine Gedanken - irgendwo zwischen l&#228;ngerer Kurzgeschichte und kurzem Roman. <img src='http://www.jtkitzel.de/wp-includes/images/smilies/icon_cool.gif' alt='8-)' class='wp-smiley' /> Und nun viel Spa&#223; mit Teil 1 von "Jonas´ Reise". Die Kommentarfunktion ist auch in diesen Beitr&#228;gen aktiv, Feedback ist nat&#252;rlich stets willkommen. Da es sonst nach einiger Zeit un&#252;bersichtlich wird, werden alle Teile von "Jonas´ Reise" auf einer <a href="http://www.jtkitzel.de/online-veroeffentlichungen/jonas-reise/" target="_blank">eigenen Unterseite</a> verlinkt, so dass man sich nicht durch alle Blog-Beitr&#228;ge suchen muss.</p>
<p><strong>Jonas´ Reise - Teil 1</strong></p>
<p>Jonas genoss den Augenblick. Die H&#228;nde flach am K&#246;rper stand er einfach still inmitten des Menschenstroms und nahm wahr. Den Geruch nach Salzwasser und Maschinen&#246;l. Das Kreischen der Deckenkr&#228;ne. Es wurde nur noch &#252;bert&#246;nt vom vielstimmigen Gewirr der Zehntausenden, die sich gerade im Innenhafen von Lod aus ihren Schiffen quetschten, um der Hauptstadt der zivilisierten Welt einen Besuch abzustatten. Oder wie er nach Hause zu kommen. Der st&#228;hlerne Boden unter seinen F&#252;&#223;en vibrierte im Takt tausender Stiefel. Oder war es der Herzschlag dieser Metropole, die Hunderttausenden Heimstatt war?</p>
<p>Jonas reihte sich in den Menschenstrom ein, lie&#223; sich treiben. Gep&#228;ck am Flie&#223;band abholen. Quengelige Kinder, die, endlich aus der Enge des Lod-Waters-Orcas befreit, ihren Bewegungsdrang stillen wollten. Die Orcas waren das Massentransportmittel schlechthin: Menschen wohin man blickte, auf engstem Raum beieinander, wurden in diesen gigantischen U-Booten durch die Weltmeere geschippert. Immer die Haupthandelsrouten entlang, die sternf&#246;rmig ihren Ursprung alle in Lod hatten. Und ihr Ziel.</p>
<p>Er trat auf die Promenade, unter ihm breitete sich das Schauspiel von Schacherstadt aus. Marktst&#228;nde wohin man blickte, fein gekleidete Gesch&#228;ftsm&#228;nner neben Fischfrauen und Str&#246;men an Touristen. Farbenfrohe Uppl&#228;nder. Grimmig daherstapfende Stawaner. Streitlustige Arbitr&#228;er. Sie alle waren gekommen, Lod zu sehen. Er hingegen kam einfach nach Hause. Mit der ge&#252;bten Bewegung eines Lodt sprang er in den PTIV - einen Endlosaufzug - und lie&#223; sich auf eine h&#246;here Ebene tragen. Nur wer zuviel Zeit hatte, dr&#228;ngelte sich durch die Marktebene. Einheimische k&#252;rzten &#252;ber die h&#246;hergelegenen Ebenen ab, um an ihr Ziel zu kommen.</p>
<p>Die Stadt hatte ihn wieder. Die PTIS-Bahn ratterte in ihrer Schiene, die G&#228;ste schaukelten im altbekannten Takt, der den Lodt in Fleisch und Blut &#252;bergegangen war. Jonas seufzte und strich sich &#252;ber das Gesicht. Er freute sich auf sein eigenes Bett. Das Leben als umherziehender Mann f&#252;r alle F&#228;lle war ja ganz nett. Aber es ging nichts &#252;ber die eigene Matratze, von flei&#223;igen Uppl&#228;ndern per Hand hergestellt, fast unbezahlbar. Aber der Mensch verbrachte ein Drittel seines Lebens im Schlaf, da war etwas Dekadenz ruhig angebracht. Ein kleines M&#228;dchen mit hellblonden Haaren schaute ihn vom gegen&#252;berliegenden Sitz sch&#252;chtern an, ihre H&#228;nde umklammerten einen lila Oktopus. Er hatte schon mehrere Kinder im Orca damit spielen sehen. War wohl gerade in. Er l&#228;chelte die Kleine freundlich an, was ihre Mutter dazu veranlasste, schleunigst ihren Arm um sie zu legen. Sein Charme lie&#223; wohl nach. Oder er sah so &#252;berm&#252;det aus wie er sich f&#252;hlte.</p>
<p>Das Adrenalin der Wiederankunft flaute langsam ab und Jonas schlurfte &#252;ber den Gang von Lod2. Der Spitzname "Schlummerkugel" kam nicht von ungef&#228;hr. Der Durchschnittslod wohnte in Lod2, einer der Hauptkuppeln von Lod. Wenn er es sich halbwegs leisten konnte. Wenn nicht, dann war seine Wohnung eben unterirdisch, im nicht enden wollenden Ganggewirr von Lod5, wo es schlechter wurde, je tiefer man hinabstieg. Die Bev&#246;lkerung von Lod war in den letzten Jahrzehnten stetig angewachsen, zus&#228;tzlicher Wohnraum war nur durch massive Erweiterung der Stadt m&#246;glich gewesen. Und da der Bau einer Kuppel ein Investment im Milliarden-LEX-Bereich war, grub man lieber in die Tiefe und Breite im unterirdischen Bereich. Au&#223;erdem h&#228;tte es nur das althergebrachte Design von Lod zerst&#246;rt, wenn man neben die bisherigen Kuppeln eine weitere auf den Boden des Meeres geflanscht h&#228;tte.</p>
<p>Jonas zog seinen Koffer immer weiter &#252;ber den beigefarbenen Flur, stets gleich aussehende T&#252;ren zogen an ihm vorbei. #313. Er war zuhause. Das Sensorsystem hatte ihn bereits erkannt und &#246;ffnete mit einem Zischlaut die T&#252;ren, lie&#223; sie seitlich in der Wand verschwinden. G&#228;hnend zog er seinen Koffer in die Wohnung, lie&#223; den Mantel auf das Uppland-Imitat-Sofa fallen und verschwand im drei Schritte entfernten Bad. Es war immer sch&#246;n, nach Hause zu kommen. Au&#223;erdem war es nach der Enge im Orca sch&#246;n, endlich mal wieder Platz zu haben. F&#252;nfzehn Quadratmeter ganz f&#252;r sich allein. Bescheidender Wohlstand, Gutb&#252;rgertum.</p>
<p>Der K&#252;chenvollautomat piepste und Jonas unterbrach seine T&#228;tigkeit des Kofferausr&#228;umens. Drei H&#228;ufchen W&#228;sche auf dem hellblauen Bettbezug zeugten von seiner Arbeit der letzten Minuten. Dringend zu waschen, halbwegs tragbar, fast frisch. Der erste Haufen war zu gro&#223;. Er seufzte und notierte sich geistig, morgen einen Waschtag einzulegen. Er entnahm einen Pott dampfenden Algenkaffees aus der Klappe des Automaten und rief &#252;ber den integrierten Bildschirm seine Mails ab. Einhundertf&#252;nfzig Nachrichten. Ohne die im Spam-Ordner. Er war zu lange weg gewesen. Jonas nahm einen tiefen Schluck Kaffee, lie&#223; das warme Gebr&#228;u wohlig warm die Kehle hinunterrinnen und machte sich seufzend daran, die Nachrichtenflut zu ordnen. Es war doch immer wieder sch&#246;n, nach Hause zu kommen.</p>
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