Ablenkungen & Interviews
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wieviel Ablenkungen man findet, wenn man einer ungeliebten Tätigkeit nachgeht. Ich muss mich derzeit etwas zum Polieren von "Flammenmeer" treten, nachdem ich die Texte Anfang des Monats von den (positiv gestimmten) Testlesern zurück bekommen habe. Polieren liegt mir nicht so wirklich, ich gehe eher beim Schreiben auf als in der Phase der Nachbearbeitung.
So hab ich dann "mal eben" ein Software-Update meiner Wordpress-Installationen in meinen Blogs durchgeführt (rollenspiel-blog.de, jtkitzel.de und zwei weitere, die ich administriere), surfe durchs Internet und höre nebenbei den (leider weitestgehend noch unbekannten) Liedern von Ricky ganz allein. Reinhörpflicht (einfach rechts unten auf den dort MP3-Player klicken, in die Mitte ziehen und durch die Lieder hören)!
Ansonsten ist noch zu vermelden, dass ich als stv. Chefredakteur von LodlanD dem RPG-Radio ein Interview gegeben hab über unsere Produktpläne für 2007.
Man liest sich.
Abenteuer & Testleser
Ich weiß, ich bin spät dran, aber dennoch: Ein frohes neue Jahr, liebe Leser. 2007 stehen für mich auf der schreiberischen Seite die Veröffentlichung meines ersten Romans und weitere LodlanD-Publikationen auf dem Plan und beruflich die erste feste Position nach Abschluss meines Trainee-Programms im späten Sommer. Also ein spannendes Jahr.
Mittlerweile habe ich "Flammenmeer" von meinen Testlesern zurück erhalten - vielen Dank auch nochmal an dieser Stelle. Und auch wenn einige sehr gute Verbesserungsvorschläge dabei sind, ist das Echo positiv, was mich natürlich sehr freut. Ende dieser Woche beginne ich dann damit, die Kommentare der Testleser einzuarbeiten.
Warum erst Ende der Woche? Weil kurzfristig ein kleines Schreibprojekt auf meinem Schreibtisch gelandet ist und zwar ein LodlanD-Abenteuer für unsere nächste Publikation. Eigentlich war es an einen anderen Kollegen vergeben, aber diesem ist kurzfristig etwas dazwischen gekommen, was ja sicherlich jedem von uns schonmal passiert ist. Daher hab ich mich bereit erklärt, in die schreiberische Bresche zu springen und das Abenteuer zu übernehmen. Glücklicherweise kann ich mittlerweile auf eine verfasste LodlanD-Abenteuer zurückblicken, so dass sowohl das Plotten (gemeinsam mit anderen LodlanD-Autoren) und das Schreiben zügig von statten gehen und ich davon ausgehe, morgen bereits mit dem ersten Durchgang (also Prä-Politur) fertig zu sein.
Flammenmeer wird im FanPro-Newsletter angekündigt
Hach, das geht runter wie Öl. Der eigene Roman wird im Verlags-Newsletter angekündigt...
Auszug aus dem FanPro-Newsletter Dezember 2006:
"Liebe Leseratten,
Frau Nick meldet sich mal wieder zur Stelle. Der liebe Marc wartet gemütlich auf dem Sofa auf den Weihnachtsmann, mein Sohn hat gestern die "Beute" vom Nikolaus bekommen und ich bin auch schon ganz weihnachtswuschig. Ein paar Geschenklein noch, etwas Deko mehr von Woche zu Woche – gibt es Schrecklicheres als diese Weihnachtsexplosion Ende November, Anfang Dezember? Schöne Dinge sollte langsam mit steigendem Tempo dem Höhepunkt entgegenstreben! Wie jeder Romanleser weiß ... womit ich wieder beim Thema bin.
(...)
Was kann ich Ihnen noch zum Neuen Jahr mit auf den Weg geben?
Für Shadowrun kommt der bereits erwähnte Abschluss der US-Trilogie, Alex Wichert legt mit "Fatimas Tränen" nach und Jan-Tobias Kitzel debütiert (bei uns) mit "Flammenmeer".
(...)
Ruhe, Frieden und wenig Familienstress wünscht
Ihre
Sarah Nick"
Solltet ihr den Newsletter nicht abonniert haben, könnt ihr ihn im FanPro-Newsletter-Archiv nachlesen.
Quelle: FanPro-Newsletter Dezember 2006
Raus an die Testleser
"Unwissenheit hatte ihre Vorteile."
Der letzte Satz unter meinem Roman, bevor das erlösende Wort "Ende" erscheint. Wie der regelmäßige Leser diesen Zeilen - und der dezenten Überschrift - entnehmen kann, bin ich damit nun endlich fertig mit der Politur von "Flammenmeer" (Arbeitstitel), meinem Shadowrun-Roman. Und die Mail an die Testleser geht auch gleich raus. Und ich freu mich auf die Kommentare, wobei ich jetzt schon weiß, dass zwischen Durchlesen der Rückmeldungen und deren Einarbeitungen einige Tage liegen werden, in denen man die sicherlich schonungslosen Anmerkungen erstmal sacken lassen muss. Ist mir damals bei meinem ersten LodlanD-Buch ganz genauso gegangen. Und warum sollte es bei meinem ersten Roman anders sein, der mir wirklich am Herzen liegt? Ich erinnere mich noch gut an einen längeren Text, den ich André Wiesler, dem LodlanD-Chefredakteur, für den ersten LodlanD-Quellenband "Im Tiefenrausch" gemeinsam mit mehreren Kollegen eingereicht hatte: Hätte ich die Rück-Version ausgedruckt, hätte vor lauter farbigen Anmerkungen mein Drucker aufgegeben.
Rot, grün, blau, "Änderungen verfolgen"-Rosa, gelb der Word-Kommentare, es war ein wahrer Regenbogen an Anmerkungen. Damals erst einmal einen Tag geschmollt, dann an die Einarbeitung gemacht. Und sie haben den Text voran gebracht, in damals deutlich verbessert. Und diesmal wird es wieder so sein, da bin ich sicher.
Noch vier Romanarbeitstage
...des Polierens, dann geht mein Roman an die Testleser raus und ich harre der farbig markierten Rückmeldungen, die da kommen mögen. Ich freu mich drauf!
Halbzeit und Battlefield 2142
Die ersten drei Kapitel sind poliert und der schreiberische Boden ist mit Sägespänen des Gehobels bedeckt oder kurz: Es war noch einiges zu tun. Etliche Dialoge wurden umgeschrieben, Sätze umgestellt, Szenen noch etwas gestrafft. Aber es sind auch ein paar Kleinigkeiten dazu gekommen, insbesondere, um ein runderes Charakterbild bei einer bestimmten Handlungsperson zu erzeugen. Somit ist die Zeichenzahl per Saldo sogar etwas gestiegen, aber egal, ich hatte mir ja absichtlich noch etwas Puffer bis zur Maximalzeichenzahl (festgelegt per Vertrag vom Verlag) gelassen. Auf jeden Fall ist Halbzeit und ich bin optimistisch, meinen Zeitplan grob einzuhalten, auch wenn es eher Ende November wird, bis ich mit allen Polierarbeiten fertig bin, was aber kein Problem darstellt, auch zeitlich habe ich Puffer eingeplant, um eine Woche Verzögerung sehr entspannt sehen zu können.
Ferner ist heute auf DLH.net eine weitere PC-Spiel-Review von mir erschienen und zwar zum spannenden Sci-Fi-Multiplayer-Shooter "Battlefield 2142". Zu lesen ist das Review direkt auf DLH.net.
Verbesserungspotential
Bin grad am Polieren des ersten Kapitels. Es ist schon erstaunlich, welches Verbesserungspotential man in Sätzen findet, die mittlerweile vor einem halben Jahr in die Tastatur getippt wurden...
Insbesondere einige Dialoge bieten sich da zum Polieren und Straffen an, um sich einer gewissen Langatmigkeit, die bei einigen der Dialoge sonst durchkommt, direkt entgegenzustemmen.
Ende ist ein schönes Wort
... wenn man es unter den eigenen Roman schreiben darf. Ich bin durch. 579.340 Zeichen, was umgerechnet gut 320 Romanseiten entspricht. Ein gutes Gefühl, das kann ich euch sagen.
Aber "zu Ende" bin ich nur mit dem ersten Schreibdurchgang. Nun folgt eine lange Phase der Politur, bei der sich obige Zeichen-Angabe auf jeden Fall ändern wird, das ist klar.
Mein Plan sieht so aus:
- Rest Oktober plus drei November-Wochen = eigene Politur
- Rest November plus Dezember = Testleser dürfen sich durch das Manuskript wühlen und die ganzen Schwachstellen aufzeigen, die man mit der eigenen Autorenscheuklappe nicht mehr sieht
- Januar = Einarbeitung der Testleser-Anmerkungen
- Februar = Abgabe
Somit hätte ich am Ende einen Monat Puffer, verbindlicher Abgabetermin ist nämlich Ende Februar. Das beruhigt, macht aber auch klar, dass das eigentlich Schreiben nur die halbe Miete ist. Das ganze Polieren, Lektorieren, Testlesern vorsetzen kommt zeit- und nervenverschärfend hinzu, ein Punkt, den viele Schreib-Beginner gerne verdrängen, der mir aber glücklicherweise durch LodlanD zur Genüge bekannt ist und den ich somit von vorneherein eingeplant hatte.
Aber jetzt schiebe ich den Gedanken an die Prozedur erstmal beiseite und freue mich darüber, dass ich unter meinen bisher längsten Text "Ende" schreiben durfte!
Der Epilog naht
Der September war romantechnisch ein fast verlorener Monat. Bis auf ein paar Tage am Anfang bin ich im September nicht zu "Flammenmeer" gekommen, der neue Job (Bank-Trainee) und die Renovierung unserer neuen Wohnung, in die wir Mitte Oktober umziehen, hat alles an meiner Zeit aufgefressen. Achja, nicht zu vergessen die Neuauflage des LodlanD-Grundregelwerks, auf die unser Team zurecht stolz sein kann. Was wir da auf die Beine gestellt haben (das neue LD-GRW im LodlanD.de-Shop)... klasse.
Erst heute bin ich wieder dazu gekommen, ein paar Seiten an meinem Roman weiterzuschreiben. Glücklicherweise war heute ein guter Schreibtag, bin glatt wieder rein gekommen und befand mich wieder mitten in meinem "Film", der in meinem Kopf abläuft und den ich dann zu Papier bringe in die Tastatur haue. Ich bin bis kurz vor den Epilog gekommen, das Ende ist also innerhalb weniger Romanarbeitstage erreicht. Jedenfalls das Ende des ersten Schreibdurchgangs. Dann heißt es: Polieren, Überarbeiten, Streichen, Verbessern, ....! Und dann das Ganze an die Testleser raus. Um es dann nochmal zu überarbeiten. Und schlußendlich Anfang nächsten Jahres beim Verlag abzuliefern. Es fließen also noch einige Klumpen den Rhein hinunter, bevor "Flammenmeer" in trockenen Tüchern ist.
Ich sterbe – oder nicht?
Ich öffne die Augen. Blut. Es läuft aus mir heraus, hat unter mir bereits eine große Lache gebildet. Verwunderung. Dann die Erinnerung. Das Messer - scharf und kantig zugleich - wie es in meinen Rücken eindringt. Kein Brotschneider, zweckentfremdet in heißem Zorn. Ein Kampfmesser, voller Zacken, das mir das Fleisch auf seinem Weg durch meinen Rücken aufreißt. Maximaler Blutverlust. Gemacht für schnellen Tod. Das Geräusch splitternder Knochen, Blut, das in meine Lunge schießt. Schwärze. Daher liege ich also auf dem Boden und spüre, wie mein Leben aus mir herausläuft. Langsam, denn es ist nicht mehr viel in mir. Ich kämpfe gegen die Bewusstlosigkeit, die gnädige Schwärze, will diesen letzten Moment noch wach erleben. Die Klumpen aus jahrzehntealtem Staub und Blut unter meinen Fingern fühlen, die Schmerzen begrüßen, die durch meinen Körper strahlen, denn sie trotzen dem Tod, schieben ihn ein paar Sekunden weiter in die Zukunft. Zukunft, die ich gern mit dir verbracht hätte, mein Schatz. Entschuldige mein schnelles Handeln, das mich in diese Lage gebracht hat. Du weißt, ich konnte nicht anders. Entschuldige meine Hektik, meine Kühle, meinen kalten Zorn, meinen heißen Zorn, entschuldige die Zeit, die ich mit meinen Spielereien vertan habe, statt sie mit dir zu verbringen. Ich habe jeden Moment mit dir geliebt. Schwärze.
Ich schreibe gerade an der Endszene meines Romans und stehe vor einer wichtigen Frage: Lasse ich einen bestimmten Charakter* sterben, oder nicht?
* Ob es ein weiblicher oder männlicher Charakter ist, möchte ich aus Spoiler-Gründen gerne offen lassen. Daher steht "Charakter" in diesem Beitrag sowohl für männliche wie weibliche Handlungspersonen.
In meinen Shadowrun-Runden habe ich versucht, die Spielwelt konsequent zu halten. Shadowrun ist ein düsteres, gewalttätiges Spieluniversum und falsches Handeln am falschen Ort bedeutet den Tod... oder jedenfalls eine Nahtoderfahrung (sozusagen als Warnschuss vor den Bug, falls es sich um einen Spielercharakter gehandelt hat). Und nun zögere ich, einen Charakter zu töten. Er (siehe oben: oder sie) ist mir ans Herz gewachsen, ein liebenswerter Charakter, voller Ecken und Kanten. Ich habe ihm während des Schreibens mehr Platz eingeräumt, als ursprünglich von mir geplant, er hat diesen Platz einfach verlangt, diese Zeilen über sein Leben mit jedem weiteren Detail gerechtfertigt, das ihn interessant, liebenswert kompliziert und zum Teil auch schwer verständlich für seine Mitmenschen macht.
Aber nun hat der Charakter eine falsche Entscheidung getroffen. Aus seiner Perspektive eine absolut verständliche, aber in dieser Spielwelt mit diesen Ausgangsparametern (bestimmte Charakter- und Handlungskonstellationen) eine tödliche Entscheidung. Wurde von einem Kämpfer hinterrücks überrascht. Mehrere Messerstiche in den Rücken. Miese Gegend, keine Abdeckung durch BuMoNa (eine Art Pay-per-Doc-Service in der Shadowrun-Welt) und auch der nächste Straßendoc zu weit entfernt (und dort müsste er/sie ja auch erstmal hinkommen). Sieht schlecht für ihn/sie aus, keine Frage. Aber dennoch zögere ich. Weil ich den Charakter aufgrund seiner Vielfalt und liebenswerten Macken mag und ihn gerne als Überlebenden in meiner geistigen Liste geführt hätte.
Und nun? Lasse ich den Charakter sterben? Greife ich in die Trickkiste? Baue ich die Szene um, auch wenn mir dies widerstrebt, weil ich sie in ihrer Dramatik als genau passend empfinde? Oder lasse ich einen Charakter sterben, weil er zur falschen Zeit so gehandelt hat, wie es für ihn einzig konsequent war?
Man liest sich...